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EINE FRAGE DER HALTUNG

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EINE FRAGE DER HALTUNG

Wolfgang Hofmann stand mehr als zwei Jahrzehnte an der Spitze von Böhmler Büro und Objekt. Im Interview spricht er über moderne Bürogestaltung und dreidimensionales Bewegungssitzen.

Herr Hofmann, Sie sind seit über 40 Jahren in der Branche und haben schon viele Trends im Büro kommen und gehen sehen. Der Büroalltag hat sich über die Jahrzehnte erheblich verändert. Die Aufgabenstellungen wurden komplexer und übergreifender.

Alles ist vernetzt. Genau. Theoretisch kann heute jeder vom Arbeitsplatz aus alles erledigen und mit allen kommunizieren. Aus arbeitsphysiologischen Gründen wirken wir dem entgegen. Moderne Bürogestaltung soll ein Miteinander ermöglichen, so dass sich alle treffen, spontane Meetings abhalten und teambildende Arbeitsabläufe realisieren können.

Fitness spielt eine immer größere Rolle. Wir sollen beweglich bleiben, auch und gerade am Arbeitsplatz. Wie halten Sie sich in Bewegung? Ich spiele Golf, fahre Ski, radle und bewege mich viel in der Natur.

Gilt das auch fürs Büro? Ich versuche, mich möglichst viel von meinem Arbeitsplatz wegzubewegen. Zudem habe ich das Glück, Aufgabenstellungen zu haben, die mich ständig auf Trab halten.

Was empfehlen Sie „Schreibtischtätern“, um wieder aktiver zu werden? Das ist natürlich eine Herausforderung, die mit der jeweiligen Aufgabenstellung zusammenhängt. Nicht jedem ist es möglich, sich während des Arbeitstages laufend vom Arbeitsplatz zu entfernen. Für diesen Kreis ist eine aktive, dynamische Arbeitsweise besonders wichtig. Darunter verstehe ich, aktiv zu sitzen und einen höhenverstellbaren Arbeitstisch zu nutzen. Zudem freut sich ein Kollege über einen persönlichen Besuch statt einem Anruf. Und auch der Weg zum Drucker oder zum nächsten Meeting kann als Ansporn gesehen werden,sich regelmäßig zu bewegen.

Ingo Froböse, Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln, sagt sogar, Stillsitzen sei das neue Rauchen. Was heißt das für die Büroplanung? Das Zellenbüro ist verschwunden, wir habe dynamische Arbeitslandschaften mit technisch ausgereiften und dem menschlichen Bedürfins angepassten Produkten. Eine in diese Richtung gehende Büroplanung hilft, aktiv und dynamisch zu arbeiten. Das ändert aber nichts an der zentralen Herausforderung, dem Stillsitzen am Arbeitsplatz entgegenzuwirken. Möbel können uns nur unterstützen und zu Aktivität am Arbeitsplatz einladen. Alles Weitere hängt von den Nutzern ab. Stühle sind ultraflexible Sitzmaschinen, in die man sich gerne fallen lässt. Hier hat sich über die Jahrzehnte am meisten getan. Ich denke an meine Schul- oder Studienzeit, wo ich auf harten, unbequemen Stühlen oder Bänken saß. Auch im Büroalltag war anfangs ein höhenverstellbarer Stuhl und eine rückengerechte Polsterung bereits ein Qualitätskriterium. Heute sind Bürostühle hochtechnisierte, für den Laien nicht erkennbare Geräte geworden.

Worauf sollten Käufer daher achten? Sitzqualität heißt, dass jede(r) Nutzer(in) den Stuhl individuell einstellen und besitzen kann. Intelligente Neigungsmechanik, Druckverteilung sowie die Ableitung von Luft und Körperwärme sind wichtige Kriterien. Dreidimensionales Bewegungssitzen mit automatischer Gewichtseinstellung macht die Nutzung zum Kinderspiel. Technik unterstützt den Menschen, ja fördert Bewegung. Diese wiederum steigert Konzentration und Leistung. Gesundheit ist ein hohes Gut — wir sollten sie erhalten.

Hilft Bewegung auch mental? Absolut. Bewegung hält nicht nur den Körper fit, sondern regt auch die Gehirntätigkeit an. In München haben wir es leicht. Mein Tipp: Durch den Englischen Garten radeln oder an der Isar zum nächsten Biergarten spazieren und diese Bewegungsfreude in den Arbeitsalltag mitnehmen,